Selbstbestimmung

Zwei Frauen mit Wollmützen im Wald umarmen sich und lachen.

Selbst über das eigene Leben und den eigenen Körper bestimmen zu können, ist eine Errungenschaft von politischen Auseinandersetzungen. Zu Selbstbestimmung gehört auch die freie Entfaltung der eigenen Sexualität. Und somit auch darüber entscheiden zu können, ob und wie viele Kinder man wann möchte.

Selbstbestimmte Entscheidungen sind nie losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen. Wie kann dann sexuelle Selbstbestimmung überhaupt möglich sein? Es ist zumeist nicht damit getan, allein ein Recht auf Selbstbestimmung zu fordern. Dadurch haben Menschen nicht plötzlich die Chance, frei und autonom zu entscheiden.

Geschichte der Selbstbestimmung

Selbst über den eigenen Körper zu bestimmen ist bereits seit langer Zeit eine wichtige Forderung von verschiedenen Frauenbewegungen. Es ging ihnen dabei vor allem um das Recht darauf, über den eigenen Körper zu bestimmen und sexuell nichts gegen den eigenen Willen tun zu müssen.

Die Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland noch bis 1997 nicht strafbar. Das heißt laut Gesetz konnte es keine Vergewaltigung in Ehen geben. Frauen hatten ihren Ehemännern laut Gesetz jederzeit sexuell zur Verfügung zu stehen. Das stellte einen wichtigen Anknüpfungspunkt für die Forderung nach sexueller Selbstbestimmung dar.

Sexuelle Selbstbestimmung beinhaltet auch, frei von Gewalt und Diskriminierung die eigene Sexualität zu leben, egal ob homo-, hetero- oder bisexuell. Für die sexuelle Entfaltung ist zum Beispiel auch ein freier Zugang zu Verhütungsmitteln wichtig. Diese Rechte wurden bereits 1974 von vielen Staaten auf der Weltbevölkerungskonferenz festgeschrieben. 1995 wurden auf einer weiteren Weltbevölkerungskonferenz die sexuellen und reproduktiven Rechte nochmals gestärkt. Diese Veränderungen waren durch langjährige Kämpfe von Frauen erst möglich.

Wie selbstbestimmt entscheiden wir?

Entscheidungen werden, neben den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, immer auch von Freunden und Freundinnen, von der Familie, von dem Geld, das man hat, von der Anerkennung, die man dafür bekommt und vielem mehr, beeinflusst. Es ist also wichtig, darüber nachzudenken, wie das familiäre und gesellschaftliche Umfeld zu bestimmten Themen eingestellt ist und wie sehr die finanziellen Möglichkeiten zu einer bestimmten Entscheidung beitragen.

Wir finden, dass diese Bedingungen so gestaltet sein sollten, dass Menschen möglichst frei und autonom entscheiden können. Das bedeutet, dass Menschen nicht nur zwischen verschiedenen Optionen entscheiden können sollten. Ihnen sollten dann auch keine Vor- oder Nachteile daraus entstehen.

Wenn sich eine Frau zum Beispiel für eine Abtreibung entscheidet, sollte sie dafür nicht gesellschaftlich verurteilt werden oder gezwungen sein, es illegal und damit unter gefährlichen Bedingungen zu tun. Sie sollte sich aber auch nicht aus gesellschaftlichen Zwängen heraus dafür entscheiden müssen.

Wenn eine Schwangere sich für das Austragen eines Kindes entscheidet, sollte sie die nötige Unterstützung für die Betreuung bekommen. Sie sollte dafür nicht ihre Karriere an den Nagel hängen müssen. Wenn eine Schwangere nach einer Untersuchung erfährt, dass sie wahrscheinlich ein behindertes Kind zur Welt bringen wird, sollte sie nicht darüber nachdenken müssen, es abzutreiben, weil die Gesellschaft Behinderte immer noch nicht angemessen teilhaben lässt. Sie sollte auch nicht die Untersuchung machen lassen müssen, wenn sie das nicht will. Das sind nur einige Beispiele dafür, welche Fragen eine Rolle spielen, um selbstbestimmt mit Schwangerschaft umgehen zu können.

Lebensschützer sind gegen Selbstbestimmung

Die sogenannten Lebensschützer stellen sich gegen sexuelle Selbstbestimmung, in dem sie ein komplettes Abtreibungsverbot fordern. Sie wollen nicht, dass Frauen die Möglichkeit haben, eine Schwangerschaft abbrechen zu lassen.

Sexualität ist aber nicht komplett planbar, sondern es passiert immer wieder Unvorhersehbares. Deswegen ist ein Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen wichtig.

Die „Lebensschützer“ finden es richtig, dass heterosexuelle Paare und Familien in Deutschland bevorteilt werden. Sie wollen, dass Schwangere ihre Situation unter allen Umständen als gegeben annehmen.

Alle sollen so leben, wie sie es wollen. Aber genau so, wie wir Entscheidungen über unseren Wohnort, unsere Arbeit oder unsere Freizeit selbst und unabhängig treffen, wollen wir auch selber darüber bestimmen, wie wir unsere Sexualität leben. Wir wollen selbst entscheiden, ob, mit wem, wann und wie wir Sex haben, Kinder kriegen oder eine Familie gründen.