Einwanderung

Eine Reihe von Menschen in Anzug und schwarzen Lederschuhen ab dem Bauch abwärts, die ihre Hosen hochziehen und bunte Socken tragen.

Refugees Welcome“ ist ein verbreitetes Motto in der Flüchtlingsdebatte geworden und soll einer menschenverachtenden Realität in Deutschland entgegenwirken: 2017 gab es deutlich mehr als 1000 Angriffe auf Geflüchtete, weitere unzählige rassistische Demos und eine weitere Verschärfung des Asylrechts, die Einwanderung jetzt noch schwerer macht. Wir setzen uns ein für ein Bleiberecht für alle Flüchtlinge, egal aus welchen Gründen sie nach Deutschland kommen. Einige christliche Organisationen unterstützen auf ihre Weise eine so genannte „Willkommenskultur“ und engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Aber das sehen nicht alle Christinnen und Christen so: Unter den in der Lebensschutzbewegung versammelten Gruppen finden sich auch solche, die einem „Refugees Welcome“ widersprechen.

Zusammenarbeit mit AfD & Co.

Das lässt sich besonders gut an den Unterstützern und Unterstützerinnen erkennen, die sich gegen Einwanderung einsetzen und mit denen die „Lebensschutzbewegung” zusammenarbeitet:

Der „Marsch für das Leben“ ist eine der zentralen Aktionen der Lebensschützer jedes Jahr im September in Berlin, auf dem mehrere tausend Menschen für ein Verbot von Abtreibungen demonstrieren. Dieser Marsch erhält Unterstützung von der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) und anderen extrem rechten sowie neokonservativen Netzwerken.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Beatrix von Storch, beteiligt sich seit einigen Jahren prominent am „Marsch für das Leben“. Sie forderte im Januar 2016 einen Schießbefehl an den Außengrenzen von Europa. Ihr Parteikollege Alexander Gauland tritt für einen kompletten Einwanderungsstopp für Muslime und Musliminnen ein. Für Flüchtlinge ist es kaum mehr möglich, Familienangehörige nach Deutschland zu holen. Die AfD behauptet, sich für Familien einzusetzen. Solche Positionen haben nichts mit Lebensschutz oder Schutz von Familien zu tun.

So genannte Lebensschützer behaupten immer, dass alle Menschen gleich wertvoll sind. Mit solchen Forderungen werten sie aber Menschen wegen ihrer Religion oder Herkunft ab.

Die AfD, aber auch Vereine, wie der christlich-fundamentalistischen Pro Conscientia e.V. oder einige katholische Zusammenschlüsse, grenzen sich von anderen Religionen ab, insbesondere vom Islam. Das ‚christliche Abendland‘ ist das Ideal der meisten so genannter Lebensschützer.

„Deutschland treibt sich ab“

Die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (AlfA) kommentiert die ihrer Meinung nach hohe Zahl an Abtreibungen mit „Ein Volk stirbt im Mutterleib“ und argumentiert damit, dass Abtreibungen die Bevölkerungszahl senkt. Die christliche Lebensschutzgruppe Kaleb formuliert noch drastischer: „Deutschland treibt sich ab“.

In ihren Aussagen zum Geburtenrückgang zeigt sich die  „Lebensschutzbewegung“ anschlussfähig für diskriminierende Haltungen. Dass es immer mehr alte Menschen gibt und kaum Kinder geboren werden, sei Schuld des Feminismus. Sie werfen kinderlosen Frauen vor, sich von ihrer als natürlich definierten und von Gott gegebenen Bestimmung als Mutter zu entfernen. Einige der sogenannten Lebensschützer machen ganz klar deutlich, wer sich für die Rettung des deutschen Volkes verantwortlich zeigen sollte: christliche, weiße und heterosexuelle Paare.

Die Katholikin Gabriele Kuby schreibt zum Beispiel, dass in allen europäischen Ländern der eigene Bevölkerungsanteil sinkt. Das bedeute gerade für Deutschland, dass der islamische Bevölkerungsanteil rasant wächst. Kuby bezieht sich dabei auf die rassistischen und islamfeindlichen Schriften von Thilo Sarrazin.

Diese Aussagen weisen darauf hin, dass es bei einigen „Lebensschützern“ weniger darum geht, jedes Leben gleich wertvoll zu finden, sondern dass besonders eine ausgewählte Gruppe von Menschen als schützenswert angesehen wird: Die Deutschen.

Verharmlosung des Holocaust

Einige der sogenannten Lebensschützer instrumentalisieren sogar den Holocaust für ihre Hetze gegen Abtreibungen. Slogans wie „Damals: Holocaust – Heute: Babycaust“ von Klaus Günter Annen verharmlosen die Massentötungen während des Nationalsozialismus und dämonisieren Schwangerschaftsabbrüche aufs Äußerste.

Die katholische Zeitung des Bistums Münster schreibt sogar, dass heutige Abtreibungen aus moralisch niedrigen Beweggründen wie Selbstsucht sehr viel schlimmer seien als der Holocaust – denn immerhin hätten die Nationalsozialisten mit ihren Morden eine Ideologie verfolgt.

Auch die heutige Sterbehilfe beschreiben die „Lebensschützer“ gern als Euthanasie und stellen damit eine Verbindung zu den Tötungsprogrammen der Nazis her.

„Jeder Mensch ist gleich wertvoll“?

Auch wenn diese Aussagen nicht von allen „Lebensschützern“ geteilt werden, zeigen sie die rassistischen und antifeministischen Einstellungen von Teilen der Bewegung und dass diese geduldet werden. Es liefert außerdem einen Hinweis darauf, wie anschlussfähig die Haltungen der Lebensschützer für genau solche menschenfeindlichen Positionen sind. Und damit einer Wertschätzung allen Lebens widersprechen.