Was wollen die Lebensschützer?

Ein Kind mit orangener Mütze von hinten, das auf Schultern getragen wird, und zu einer Kirche im Hintergrund blickt.

Die sogenannten Lebensschützer vertreten ein geschlossenes und auf Gott begründetes Weltbild. Lange haben sie sich nur zu bestimmten Themen zu Wort gemeldet, aber seit geraumer Zeit besetzen sie auch andere Themenfelder, von denen einige auf dieser Seite beschrieben werden. Eines der Hauptthemen der sogenannten Lebensschützer ist die Forderung nach einem generellen Verbot von Abtreibungen. Das hat schlimme Folgen für Schwangere und Frauen. Denn dadurch wird ihnen das Recht abgesprochen, sich für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden.

Moral

Die „Lebensschützer“ argumentieren dabei sehr moralisch. Sie bewerten Entscheidungen von Menschen nach ihren eigenen Werten und Normen und lassen die Bedürfnisse anderer Menschen nicht gelten. Alle, die ihrer Meinung nach kein moralisch gutes Leben führen, werden von ihnen als abtrünnig betrachtet und sollen weniger Rechte haben. Sie wollen keine Gleichberechtigung, sondern Vorteile für jene, die in ihr Weltbild passen.

Die „Lebensschützer“ kämpfen gegen alternative Lebensformen und stehen für ein traditionelles Bild von Familie, die ihrer Meinung nach nur aus einem verheirateten Mann, seiner Frau und deren biologischen Kindern bestehen kann. Sexualität ist für sie immer an Fortpflanzung gekoppelt. Es geht dabei nicht um Lust, sondern darum, Nachkommen zu zeugen.

Jede Sexualität, die nicht der Fortpflanzung dient, wird abgewertet. Und damit diskriminieren sie viele Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Für die sogenannten Lebensschützer gibt es ausschließlich zwei Geschlechter und klare Rollenverteilungen. Gender ist in ihren Augen immer Ideologie, sie wollen festhalten an traditionellen Geschlechterbildern. Diese bedeuten zum Beispiel, dass Frauen immer noch deutlich mehr Hausarbeit machen müssen und deutlich weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen bekommen. Oder dass Männer immer die Starken sein müssen. Oder dass Transpersonen Ausgrenzung erfahren.

Bevormundung

Dennoch halten so genannte Lebensschützer sich für gute Menschen, die mit vielen guten Absichten versuchen, Gutes zu tun. Aber das tun sie meist über die Köpfe anderer Menschen hinweg. Denn sie unterstützen Menschen nicht darin, sich für ihre eigenen Interessen einzusetzen. Deswegen arbeiten sie auch nicht mit Organisationen von Betroffenen zusammen, die ihre eigenen Forderungen haben. Die so genannten Lebensschützer sprechen anderen ihre Entscheidungen ab – denn diese würden nur Gott obliegen. Sie handeln stattdessen so, als wüssten sie am besten, was gut für alle Menschen ist, weil sie in Gottes Namen handeln. 

Gott

Die „Lebensschützer“ vertreten ein christlich-fundamentalistisches Weltbild. Das bedeutet, dass sie eine strenge Auslegung der Bibel haben. Sie sind der Meinung, dass Menschen sich dem Willen Gottes fügen müssen. Krisen sind für die sogenannten Lebensschützer Schicksal und eine Prüfung Gottes, die Suche nach selbstermächtigenden und emanzipativen Lösungen ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Selbstbestimmung hört da auf, wo „Gottes Werk“ anfängt, da haben Menschen nichts mitzureden oder zu entscheiden. So auch nicht bei der Frage, wann das Leben beendet werden soll. 

Diese Interpretation der Bibel gibt vor, wie Sexualität gelebt werden soll, aufbauend auf der Vorstellung, dass Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen habe und es daher auch nichts anderes geben kann. Gott wird in diesem Weltbild zur ordnenden Instanz und zur Grundlage aller Vorgänge in der „Natur“, auf die Menschen und ihr Handeln keinen Einfluss mehr haben können. Sie argumentieren mit Gott, um für eine traditionelle, unfreie Gesellschaft einzutreten.

Durch ihren starken Glauben an Autoritäten und an eine göttliche Fügung haben sie vermeintlich „einfache“ Antworten auf oft schwierige und komplexe Fragen des Lebens. Aber das hilft nicht weiter, sondern ganz im Gegenteil – es schränkt Frauen ganz massiv ein und schließt Menschen aus, die nicht so leben, wie die „Lebensschützer” es gerne möchten.

Die sogenannten Lebensschützer setzen sich für eine autoritäre und hierarchische Gesellschaft ein, in die Menschen sich einfügen müssen. Sie sind gegen eine gleichberechtigte Gesellschaft, in der Menschen sich möglichst frei entfalten und frei leben können.

Die „Lebensschützer“ schaffen mit ihren Aktivitäten zwar eine Gemeinschaft, die aber voller Voraussetzungen ist und viele Menschen ausschließt und diskriminiert.

National und konservativ

Wenn die sogenannten Lebensschützer von der Würde des Menschen sprechen, meinen manche vor allem weiße Deutsche und Europäer. Sie stehen völkischen und rassistischen Bewegungen nahe und äußern sich teilweise selbst rassistisch. Manche „Lebensschützer“ „befürchten“ eine „Überfremdung“ Deutschlands – dasselbe, wovor sich Nazis und rechte Bewegungen auch immer „fürchten“. Und sie sorgen sich um eine Überalterung der deutschen Gesellschaft, woran ihrer Meinung nach weiße deutsche Frauen schuld sind, die zu wenige Kinder kriegen (wollen).

Um der Überalterung entgegenzuwirken, sollen Frauen mehr Kinder bekommen. Aber wirklicher Lebensschutz wäre doch, alle Lebensentwürfe zu respektieren, sofern diese nicht andere Menschen ausschließen oder benachteiligen. Also auch zu respektieren, wenn Frauen keine Kinder haben wollen.