Frau und Mann

Ein klassisches Brautpaar, sichtbar von der Hüfte abwärts, steht direkt vor einer Wand und wirft einen Schatten.

Die Einteilung von Menschen in Frau und Mann fängt sehr früh im Leben an. Die erste und häufigste Frage, die Eltern nach der Geburt ihres Kindes gestellt wird, ist nicht, ob es allen gut geht, sondern: Ist es ein Junge oder ein Mädchen?

Wir unterscheiden Menschen in DIE Gabi, DIE Ayşe, DEN Tom oder DEN Elias. Wenn es aber darum geht, Gabi, Ayşe, Tom und Elias als Menschen zu beschreiben, reicht das nicht aus. Wir wollen auch wissen, ob die Person nett ist, gerne liest oder Fußball spielt, was ihre Hobbys oder Vorlieben sind. Und diese sind nicht durch das Geschlecht festgelegt. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, wie sich die Vorstellungen von Männern und Frauen verändern. Lange war es Frauen verboten, an den Universitäten zu studieren, weil Denken – so eine verbreitete Annahme – sich negativ auf ihre Fortpflanzungsorgane auswirken würde. Heute gibt es immer noch viele Geschlechterklischees, nur subtiler.

Wir kritisieren feste Rollenzuweisungen, also wie „echte“ Männer oder „echte“ Frauen zu sein haben. Es ist wichtig, andere Rollenvorbilder zu schaffen.

Die Rolle von Frau und Mann?

Was soll das denn überhaupt heißen: Echte Männlichkeit für den Mann, echte Weiblichkeit für die Frau? Was ist denn hier mit „echt“ gemeint? Die gesellschaftlichen Vorstellungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse – auch in der Biologie – darüber, was Männer und Frauen sind, haben sich historisch verändert. 

Wir alle sind Menschen, die gemeinsam in einer Gesellschaft zusammen leben wollen, in der niemand willkürlich über eine andere Person bestimmen darf. Dazu gehört auch, anzuerkennen, dass nicht alle Frauen schwanger werden oder Kinder kriegen wollen, sondern vielleicht lieber mit dem Motorrad um die Welt reisen oder als Kosmonautin auf den Mond fliegen wollen. Leider gibt es aber immer noch viele Menschen, die Frauen allein als Mütter und Hausfrauen sehen und Männer als Ernährer und Beschützer. Aber zu keinem Zeitpunkt der Geschichte und nirgends auf der Welt gab es jemals eine Gesellschaft, die so aufgeteilt war. Immer schon haben Frauen auch auf dem Feld oder in der Fabrik gearbeitet und die Familie miternährt und immer schon gab es Männer, die keine Beschützer, sondern Partner waren. Geändert haben sich zum Glück aber viele Gesetze, die lange Zeit zum Nachteil von Frauen waren.

Man kann Menschen nicht einfach aufgrund ihrer Gene oder aufgrund ihres äußerlich erkennbaren Geschlechtsorgans in die Kategorien Frau und Mann einordnen. Oft wird die Biologie herangeführt, um vermeintlich unveränderbare Fakten zu schaffen. Aber auch die Biologie hat keine eindeutige Antwort für die Bestimmung eines vermeintlich biologischen Geschlechts. Dafür braucht es mehrere Variablen:  primäre und sekundäre Geschlechtsorgane, Hormone, Gene und viele teilweise unbekannte biologische und soziale Faktoren – die jeweils auseinander fallen können.

Das Vorurteil, dass es nur zwei Geschlechter mit spezifischen Merkmalen gibt, führt dazu, dass viele Menschen aus diesem System ausgeschlossen und als krankhaft stigmatisiert werden.

Das gilt etwa für Frauen, die nicht gebären können oder wollen und denen deswegen ihr Frau-Sein abgesprochen wird. Oder Menschen, die als Frau oder Mann wahrgenommen werden, aber sich selbst nicht so fühlen. Auch Frauen, die wegen einer Behinderung nicht den verbreiteten Vorstellungen von Schönheit und Weiblichkeit entsprechen. Dies gilt ebenso für Männer, die die Ansprüchen von Potenz und Konkurrenz dieser Gesellschaft nicht erfüllen können oder wollen, werden stigmatisiert und als unmännlich betrachtet.

Die Einteilung in nur zwei Geschlechter betrachtet inzwischen selbst das Bundesverfassungsgericht als unhaltbar und fordert eine dritte Option beim Geschlechtseintrag.

Die Vorstellung, dass Menschen nur ein eindeutiges Geschlecht haben dürfen, führte viele Jahre zu ungewollten und gewaltvollen operativen Eingriffen bei Neugeborenen und Kindern, die als intergeschlechtliche Menschen geboren wurden. Jährlich werden etwa 200 Kinder bis hin zu etwa 4% aller Kinder allein in Deutschland als intergeschlechtliche Menschen geboren. Mit Intergeschlechtlich oder auch Intersex werden jene Menschen bezeichnet, die nach der Geburt nicht den medizinisch geltenden Geschlechternormen von Mädchen oder Jungen zugeordnet werden können. Das heißt alle Menschen, deren Geschlechtsorgane variieren.

Wir aber finden, dass jeder Mensch den gleichen Respekt verdient, egal ob er als männlich oder weiblich, als beides oder keines von beidem betrachtet werden möchte.