Abtreibung

Die Beine einer Person, die auf einem Steinboden sitzt und davor in sich verschränkte Hände mit lackierten Fingernägeln.

In Deutschland ist Abtreibung rechtlich verboten. Wenn schwangere Personen eine Abtreibung machen wollen, müssen sie sich an bestimmte Bedingungen halten. Wenn sie diese Bedingungen einhalten, dann ist es möglich ohne Strafe abzutreiben. Die Regelungen zur Abtreibung stehen im Strafgesetz in den Paragraphen 218 und 219. Diese ermöglichen es schwangeren Frauen nach einer Beratung, einen straffreien und sicheren Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt oder einer Ärztin vornehmen zu lassen.

Inhalt

  1. Recht auf Abtreibung
  2. Debatte §219a
  3. Situation in Deutschland
  4. Gründe, warum Frauen sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden
  5. Argumente gegen ein Verbot von Abtreibungen
  6. Verbot von Abtreibung als Lebensschutz

Recht auf Abtreibung

Jede Frau hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommt und ob sie eine Schwangerschaft austrägt. Laut der UNO Statuten hat sich auch Deutschland dazu verpflichtet, die sogenannten sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen und Mädchen zu schützen. Das bedeutet, dass es Personen ermöglicht werden muss, selber darüber zu entscheiden, wann und ob sie Kinder haben wollen. Dazu gehört auch die staatliche Verpflichtung, Verhütungsmittel und Informationen bereitzustellen.

Debatte §219a

Wenn wir davon sprechen, dass es staatlich ermöglicht werden muss, dass Frauen ihre reproduktiven Rechte durchsetzen können, dann gehört auch dazu, dass Frauen fachlich richtige Informationen zur Abtreibung erhalten, also zu den Methoden, zu den Kosten, aber auch zu den Fachärzten und Fachärztinnen, die Abtreibungen vornehmen. In den letzten zwei Jahren wurde vor allem die Debatte um den Paragraphen 219a öffentlich wirksam geführt und der Paragraph nun geändert. Ärzte und Ärztinnen dürfen nun auf ihren Webseiten darüber informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Aber sie dürfen Schwangeren keine weiteren Informationen, z.B. zu Kosten oder Methoden, geben.

Innerhalb der letzten 15 Jahre ist die Anzahl der Kliniken und Praxen, die Abtreibungen durchführen um 40% gesunken. Das bedeutet vor allem für schwangere Personen, die ländlich wohnen weite Anfahrtswege und eventuell den Einbezug von verschiedenen Menschen, was oft dem Bedürfnis nach Vertraulichkeit entgegensteht. Diese Situation erschwert es schwangeren Personen erheblich, eine Abtreibung durchführen zu lassen.

Situation in Deutschland

In Deutschland sank die Zahl der Abtreibungen seit vielen Jahren und pendelt sich in den letzten Jahren um die 100.000 ein. Das liegt unter anderem daran, dass es in Deutschland relativ einfach ist, Verhütungsmittel zu bekommen und dass über Sex und Liebesleben in Schulen aufgeklärt wird. Eine konservative Vorstellung von Sexualität, die davon ausgeht, dass Sex nur da ist, um Kinder zu zeugen, verhindert Sexualaufklärung und trägt damit zu mehr ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungen bei.

Gründe, warum Frauen sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden

Es ist nicht immer möglich, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden: Sexualität ist nicht immer planbar, passiert spontan, Verhütungsmittel versagen. Auch in solchen Situationen müssen Frauen selbstbestimmt entscheiden können. Nicht alle Frauen wollen Mütter werden. Frauen sollen entscheiden dürfen, welches Lebensmodell sie für sich wählen. Wir finden, dass die Möglichkeit, schwanger werden zu können nicht die Konsequenz haben sollte schwanger zu bleiben.

Manchmal passen auch die Lebensumstände nicht. Frauen fühlen sich eventuell nicht in der Lage, für ein anderes Wesen zu sorgen und erfahren womöglich keine Unterstützung von ihrem Partner oder ihrer Partnerin. Umso wichtiger ist es, dass Frauen die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft selbst treffen können.

Argumente gegen ein Verbot von Abtreibungen

Verbote verhindern keine Abbrüche, sondern lassen die Bedingungen gefährlich werden, sie führen nicht dazu, dass weniger Abtreibungen vorgenommen werden. In einigen Ländern der Welt ist Abtreibung komplett verboten, statistische Erhebungen zeigen, dass Frauen trotzdem abtreiben lassen. Die statistische Erhebung der Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass zwischen 2010 und 2014 45% der Abtreibungen weltweit unsicher durchgeführt wurden. Abtreibungen werden in diesen Fällen unter unhygienischen Bedingungen, mit Hilfe von unsachgemäßen Gegenständen oder von medizinisch nicht geschulten Personen vorgenommen. Noch gefährlicher ist es, wenn Frauen versuchen selber einen Abbruch vorzunehmen. Ein Verbot gefährdet also das Leben von Frauen.

In Ländern, in denen Abbrüche fast unmöglich durchzuführen sind (Europa: Polen; in Malta ist es sogar unter allen Umständen komplett verboten), setzen sich Frauen lebensgefährlichen Risiken aus, um Schwangerschaften zu beenden. So starben 2017 weltweit mindestens 22.800 Frauen bei einem Schwangerschaftsabbruch. Die Suchanfragen im Internet nach selbst herbeigeführten Abbrüchen in den USA stiegen um 40%, als die Gesetze zum Abbruch verschärft wurden.

Das hat nichts mit Lebensschutz zu tun – Abtreibungsverbote gefährden das Leben von Frauen.

Verbot von Abtreibung als Lebensschutz?

Die selbst ernannten  nutzen in ihrer Sprache und ihren Bildern Unwahrheiten und extreme Übertreibungen. Sie machen das, damit Menschen ein schlechtes Gewissen bekommen, damit Abbrüche zu etwas Unmenschlichem und Grausamen werden. So sprechen sie zum Beispiel von 1.000 Abbrüchen am Tag.* Diese Zahl ist schlichtweg erfunden und wird dazu benutzt, Abbrüche zu skandalisieren. Das Ergebnis ist, dass Frauen sich für ihre persönliche Entscheidung rechtfertigen müssen.

Aus Sicht der sogenannten Lebensschützer darf eine Frau sich nie für eine Abtreibung entscheiden, da der Embryo ab Befruchtung von Samen- und Eizelle schon ein eigener Mensch und von Gott beseelt ist. Ein Fötus ist allerdings nach bisherigen medizinischen Sachstand bis zur ca. 24. Schwangerschaftswoche nicht außerhalb der Gebärmutter lebensfähig. Die Schwangere wäre also dazu verpflichtet, ihren eigenen Körper der befruchteten Eizelle, dem Embryo, dem Fötus, dem Kind uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Somit werden in dieser Argumentation die Rechte der Frauen den Rechten des Fötus untergeordnet. Die sogenannten Lebensschützer fordern den Lebensschutz für Föten und Embryonen, die Rechte von Frauen sind ihnen egal.

Je nach Positionierung ist die Frage danach, wann Leben beginnt eine juristische, moralische und/oder biologische Auseinandersetzung.

Die Realität bleibt aber bestehen, dass schwangere Personen abtreiben werden, egal unter welchen Bedingungen und dass es dafür sichere Auswahlmöglichkeiten geben muss.  Frauen handeln nicht verantwortungslos, wenn sie sich für einen Abbruch entscheiden. Denn ein Abbruch ist in bestimmten Situationen ein notwendiger medizinischer Eingriff.

*Im Jahr 2017 waren es 101.209 Abbrüche im Jahr (das macht circa 277 Abtreibungen täglich)